Kolumbiens Verfassungsgericht bekräftigt die Zuständigkeit von Schiedsgerichten bei Streitigkeiten aus Staatsverträgen
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Kurzfassung
- Das kolumbianische Verfassungsgericht hat die Zuständigkeit von Schiedsgerichten in Streitigkeiten aus öffentlichen Verträgen erneut bekräftigt.
- Die Entscheidung knüpft an eine Anfechtung im Zusammenhang mit einseitigen Vertragsänderungen durch Transmilenio an.
- Eine frühere Entscheidung des Staatsrats, die die Schiedskompetenzen eingeschränkt hatte, wurde aufgehoben.
- Schiedsgerichte können die wirtschaftlichen Folgen von Verwaltungsakten behandeln, wenn eine Schiedsvereinbarung besteht.
Überblick
Am 21. Mai 2026 hat das kolumbianische Verfassungsgericht mit der Sentencia SU-142 bestätigt, dass Schiedsgerichte über die wirtschaftlichen Folgen einseitiger Verwaltungsänderungen in Staatsverträgen entscheiden dürfen - rechtlich und verfassungsrechtlich, sofern eine Schiedsvereinbarung vorliegt.
Der Streit ging auf einen Konflikt zwischen SI99 S.A. und Transmilenio S.A. über Änderungen an einem Transportkonzessionsvertrag in Bogotá zurück.
Was passiert ist
Das Verfassungsgericht befasste sich mit einem Streit über einen Konzessionsvertrag aus dem Jahr 2000 zwischen SI99 S.A. und Transmilenio S.A. für das Massentransportsystem von Bogotá.
Im Jahr 2017 änderte Transmilenio die Vergütungsformel des Vertrags einseitig, wodurch - so die Darstellung - für SI99 S.A. ein wirtschaftliches Ungleichgewicht entstanden sei.
SI99 S.A. leitete 2019 ein Schiedsverfahren ein; das Schiedsgericht ordnete 2022 eine Entschädigung an.
Transmilenio konnte diesen Schiedsspruch beim Staatsrat erfolgreich anfechten; der Staatsrat hob ihn teilweise auf und beschränkte die Schiedszuständigkeit für wirtschaftliche Folgen, die sich aus Verwaltungsakten ergeben.
Im Überprüfungsverfahren stellte das Verfassungsgericht fest, dass die Auslegung des Staatsrats zu restriktiv gewesen sei, und entschied, dass Schiedsgerichte für die Lösung solcher wirtschaftlichen Fragen zuständig sind, sofern eine Schiedsvereinbarung vorliegt.
Das Gericht ordnete dem Staatsrat an, innerhalb von drei Monaten eine neue Entscheidung entsprechend seiner rechtlichen Begründung zu erlassen.
Kontext
Zentral war die Rechtsfrage, ob Schiedsrichter über die wirtschaftlichen Folgen von Verwaltungsmaßnahmen staatlicher Stellen entscheiden können, wenn in Staatsverträgen rechtlich verbindliche Schiedsvereinbarungen bestehen.
Eine Einigungsentscheidung des Staatsrats aus dem Jahr 2024 hatte diese Zuständigkeit zuvor eingeschränkt und verlangt, dass vor einer Schiedsentscheidung für Geldansprüche zunächst der Verwaltungsrechtsweg beschritten werden müsse.
Die Entscheidung des Verfassungsgerichts bekräftigt frühere Rechtsprechung sowie den Rechtsrahmen, den das kolumbianische Gesetz 1563 von 2012 zur Stärkung des Schiedsverfahrens im öffentlichen Beschaffungswesen vorgibt.
Warum es wichtig ist
- Diese Entscheidung stellt den Umfang des Schiedsverfahrens für Parteien öffentlicher Verträge in Kolumbien wieder her und macht ihn klarer.
- Sie stellt sicher, dass private Parteien ihre Rechte aus Schiedsverfahren nicht verlieren, wenn es um Geldansprüche geht, die aus einseitigen Vertragsänderungen durch staatliche Stellen entstehen.
- Die Entscheidung dürfte die Rechtssicherheit für Investoren, Auftragnehmer und Konzessionäre im öffentlichen Sektor Kolumbiens stärken.
