Chilenisches Berufungsgericht hebt CAM-Schiedsspruch im Streit um den Verkauf von Australis auf

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Kurzfassung

  • Berufungsgericht in Santiago hebt Schiedsspruch im Streit um den Australis-Verkauf auf
  • Der aufgehobene Schiedsspruch verpflichtete Isidoro Quiroga zur Zahlung von fast 300 Mio. US-Dollar an Joyvio
  • Der Streit betrifft Vorwürfe zur Falschdarstellung im Verkauf eines Lachszuchtunternehmens im Jahr 2019
  • Joyvio kann die Aufhebung vor dem Obersten Gerichtshof anfechten oder ein neues Schiedsverfahren anstoßen

Überblick

Ein geteiltes Spruchgremium des Berufungsgerichts in Santiago hat einen Schiedsspruch aufgehoben, den das Arbitration and Mediation Center (CAM) erlassen hatte und durch den der Geschäftsmann Isidoro Quiroga zur Zahlung von fast 300 Mio. US-Dollar an das chinesische Unternehmen Joyvio verpflichtet werden sollte. Der Streit betrifft den 2019 erfolgten Kauf des Lachszuchtunternehmens Australis durch Joyvio von Quiroga im Wert von rund 920 Mio. US-Dollar sowie Vorwürfe, es sei bei dem Verkauf Falschdarstellungen gegeben worden.

Was passiert ist

In einem Schiedsverfahren bei CAM Santiago machte Joyvio geltend, Isidoro Quiroga und verbundene Parteien hätten bei Australis eine übermäßige Produktion verschwiegen, wodurch der Verkaufspreis aufgebläht worden sei. Joyvio hatte zunächst Schadensersatz in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar sowie die Aufhebung des Aktienkaufvertrags begehrt.

Das Schiedsgericht, bestehend aus Pedro Pablo Vergara, Andrés Jana und Ramón Cifuentes, entschied, dass Quiroga rund 217 Mio. US-Dollar zuzüglich Zinsen zahlen müsse - insgesamt fast 300 Mio. US-Dollar - an Joyvio. Die wesentlichen Betrugsvorwürfe von Joyvio wies das Schiedsgericht jedoch zurück.

Das juristische Team von Quiroga legte im Oktober Berufung gegen den Schiedsspruch beim Berufungsgericht von Santiago ein. Es machte geltend, der Schiedsspruch habe unerwartet eine Rückabwicklung angeordnet, die nicht ausdrücklich beantragt oder in dem Verfahren geltend gemacht worden sei.

Die erste Kammer des Berufungsgerichts in Santiago folgte diesen Argumenten, hob den Schiedsspruch vollständig auf und ließ die Zukunft des Streits für weiteres Vorgehen offen.

Kontext

Der Verkauf von Australis im Jahr 2019 war eine der größten M&A-Transaktionen im chilenischen Aquakultursektor. Der Streit hat vor allem wegen des Volumens und der Nutzung institutionellen Schiedsverfahrens zur Beilegung hochdotierter kommerzieller Ansprüche Aufmerksamkeit erregt.

Nach der Aufhebung veröffentlichte CAM - die Kammer für Handel in Santiago - eine Stellungnahme, in der sie die Tragfähigkeit des chilenischen Schiedssystems und das Vorhandensein wirksamer Kontrollmechanismen unterstützte. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass das Aufhebungsverfahren ausdrücklich im chilenischen Schiedsverfahrensrecht vorgesehen ist.

Warum es wichtig ist

  • Die Aufhebung wirft Fragen zur Stabilität und Durchsetzbarkeit großer Schiedssprüche in Chile auf.
  • Joyvio kann weitere Rechtsbehelfe verfolgen, indem es den chilenischen Obersten Gerichtshof anruft oder ein neues Schiedsverfahren einleitet.
  • Der Fall zeigt sowohl die Mechanismen gerichtlicher Kontrolle von Schiedsverfahren in Chile als auch mögliche Risiken für Parteien auf, die sich auf Schiedssprüche verlassen.

Quellen

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