Santiago-Berufungsgericht hebt US$-300-Millionen-Schiedsspruch in Australis-Verfahren gegen Isidoro Quiroga auf
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Kurzfassung
- Das Santiago-Berufungsgericht hebt einen US$-300-Millionen-Schiedsspruch gegen Isidoro Quiroga auf
- Das Verfahren betraf den Verkauf von Australis Seafoods an Joyvio, ein Unternehmen aus China
- Das Gericht stellte fest, dass das Schiedsgericht über die ursprüngliche Klage hinaus entschieden habe
- Die Entscheidung befasst sich nicht mit dem Kern der zugrunde liegenden Streitigkeit
Überblick
Im Rahmen einer verfahrensrechtlichen Anfechtung hat das Santiago-Berufungsgericht einen Schiedsspruch aufgehoben, der den chilenischen Geschäftsmann Isidoro Quiroga zur Zahlung von US$300 Millionen an die chinesische Gesellschaft Joyvio verpflichtete. Der Streit entstand nach dem Verkauf von Australis Seafoods im Jahr 2019, wobei Joyvio geltend machte, es habe im Zuge des Due-Diligence-Prozesses Informationen gegeben, die angeblich zurückgehalten worden seien und zu einer Überzahlung geführt hätten. Die Entscheidung hebt den CAM Santiago-Schiedsspruch in seiner Gesamtheit aus verfahrensrechtlichen Gründen auf.
Was passiert ist
Im August 2023 ordnete ein Schiedsgericht unter dem CAM Santiago an, dass Isidoro Quiroga Joyvio US$300 Millionen zahlen müsse - wegen eines angeblich zu hohen Kaufpreises, der im Zuge des Verkaufs von Australis Seafoods im Jahr 2019 gezahlt worden sei.
Joyvio machte geltend, Quiroga und weitere Beteiligte hätten eine Politik der übermäßigen Produktion verschwiegen, wodurch Joyvio einen unangemessen hohen Preis gezahlt habe.
Das Schiedsgericht stellte keinen Betrug fest, sprach jedoch eine Entschädigung wegen Überpreisung zu.
Quiroga legte gegen den Schiedsspruch beim Santiago-Berufungsgericht Beschwerde ein und argumentierte, der Schiedsspruch gehe über den ursprünglichen Anspruch auf Schadensersatz hinaus und verhänge stattdessen eine einem Kaufpreis-Ausgleich ähnliche Rechtsfolge.
Das Gericht stimmte - mit Mehrheitsentscheidung - dem Vorbringen von Quiroga zu und hob den Schiedsspruch vollständig auf. Es stellte fest, das Schiedsgericht habe seine Befugnisse überschritten, indem es eine Erleichterung auf einer rechtlichen Grundlage gewährt habe, die nicht geltend gemacht worden sei.
Kontext
Berichten zufolge ist dies das erste Mal, dass das Santiago-Berufungsgericht einen Schiedsspruch unter Chiles International Commercial Arbitration Law aufgehoben hat, wobei die Aufhebungsgründe eng ausgelegt werden.
Der Fall wird in der Praxis als bedeutend angeführt, unter anderem wegen seiner Auswirkungen auf die Kongruenz zwischen der im Schiedsverfahren zugesprochenen Rechtsfolge und den geltend gemachten Ansprüchen.
Die Aufhebung bezieht sich nur auf das Verfahren und entscheidet nicht darüber, ob ein Fehlverhalten vorlag, oder über die Begründetheit der Streitigkeit.
Warum es wichtig ist
- Die Aufhebung markiert einen seltenen Eingriff des Santiago-Berufungsgerichts in internationale Schiedsentscheidungen unter chilenischem Recht.
- Rechtliche Kommentatoren weisen darauf hin, dass dies die künftige schiedsrichterliche Praxis und die Auslegung verfahrensrechtlicher Grenzen in Chile beeinflussen könnte.
- Das Ergebnis lässt Unsicherheit darüber, ob Joyvio ein neues Schiedsverfahren einleiten kann, insbesondere angesichts von Fragen zur Verjährung und zur Bindungswirkung des ursprünglichen Verfahrens.
